Der Pudel gehört zu den ältesten Hunderassen, die schon
Jahrhunderte lang bekannt sind. Die Wissenschaftler sind sich jedoch über die
Abstammung des Pudels nicht einig.
L. Fitzinger vertrat die Ansicht, dass der Pudel vom
Seidenhund abstammt. Dem stand jedoch die Meinung des Berner Professors Theodor
Studer entgegen, der sich in seinem Werk "Die prähistorischen Hunde in ihren
Beziehungen zu den gegenwärtigen Rassen" am ausführlichsten mit der Frage der
Abstammung des Pudels beschäftigte. Seine Vermutung, dass der Pudel aus einer
Kreuzung des zotthaarigen Hütehundes mit einem Jagdhund hervorgegangen sei,
wurde durch die Geschichte des Pudels bestätigt.
Seine Vorliebe für das nasse Element
erinnert uns noch heute an seine Verwandtschaft mit dem Wasserhund, der erstmals
im 6. Jahrhundert während der Besetzung der Iberischen Halbinsel durch die
Mauren von Nordafrika nach Europa gebracht wurde.
Auf dem westlichen europäischen Kontinent wird der
Pudel im Mittelalter noch nirgends genannt; erst an dessen Ende trifft man auf
einige Spuren, wie z.B. eine Pudeldarstellung von Tilman Riemenscheider auf dem
Grabmal von Heinrich II. Auch Albrecht Dürer hat um 1500 mehrfach Pudel im Bild
festgehalten.
Um das Jahr 1700 muss der Pudel in
Deutschland dann sehr verbreitet, viel gezüchtet und außerordentlich
volkstümlich gewesen sein. Von da ab erscheint er nicht nur in allen
naturwissenschaftlichen Werken, sondern auch an unzähligen Stellen unserer
bebilderten Literatur. Um das Jahr 1860 begann jedoch der Stern des Pudels zu
sinken, er musste nach und nach immer mehr gegenüber anderen Rassen
zurücktreten. Die Liebhaber des Pudels in Deutschland gaben trotzdem die
Hoffnung auf ihre Rasse nicht auf, die Hunde wurden zuchtbuchmäßig erfasst. Das
erste Zuchtbuch für Pudel erschien im Jahre 1904 und ist bis in die heutige Zeit
erhalten geblieben.
Am Ende des vorigen Jahrhunderts
begannen deutsche Pudelzüchter wie Stössel, Warmbach, Wirth und Betz mit einer
geregelten Zucht und mit der Zielsetzung, die Rasse weiter zu fördern. Kurz vor
dem zweiten Weltkrieg hatte die deutsche Pudelzucht durch Wiedereinkreuzung von
vor 30 Jahren nach England und Frankreich abgegebenen Blutlinien einen
neuerlichen Höchststand erreicht.
Im Jahre 1936 hat in Deutschland die
Fachschaft für Pudel unter seinem Vorsitz mit dem französischen Pudelclub unter
der Präsidentin Mlle. Jeancourt den Standard des Pudels einer planvollen
Umgestaltung unterzogen und einen neuen Standard erlassen, der für die Zucht
aller Pudelschläge grundsätzlich maßgebend wurde. Dieser Standard besteht heute
noch und ist nur geringfügig abgeändert und durch Anerkennung weiterer
Farbschläge erweitert worden.
Bei Festlegung dieses Standards im Jahre 1936 war das
Ursprungsland der Rasse noch umstritten. Frankreich erhielt das Recht, sich als
Ursprungsland der Pudelrasse zu bezeichnen, erst, als Deutschland offiziell
darauf verzichtete.
Das Problem in der deutschen Pudelzucht
wurde jedoch durch die Schur wesentlich erschwert. Der den Standard führende
französische Pudelclub erkannte die moderne Schur, die immer mehr an Boden
gewann, nicht an. Im Jahre 1963 einigten sich endlich der französische und der
deutsche Pudelclub auf eine neue Schur, die im wesentlichen der bisherigen
modernen Schur entsprach. Seit 1966 sind die "Neue Schur" sowie die Farbe
"Silber" und seit 1977 auch die Farbe "Apricot" im Standard festgelegt.
Zwischenzeitlich hat sich die
Pudelrasse auch weltweit wieder durchgesetzt. Man findet sie nicht nur auf dem
europäischen Kontinent, sondern auch in vielen anderen Erdteilen in derselben
Form und in demselben Standard, wie sie zuchtmäßig ihren Ausgang von
Deutschland, England und Frankreich genommen hat. Der Pudel ist heute nach wie
vor ein beliebter Rassehund, der durch seine Treue, seine leichte Lern- und
Ausbildungsfähigkeit und durch seine harmonische Erscheinung überall Freunde
gefunden hat. Wichtig ist, dass die Förderung der Rasse und die Erhaltung dieses
schönen und beliebten Hundes in Europa und auch in der überseeischen Welt weiter
an Boden gewinnt.
Dieses Ziel verfolgt auch der
Verband der Pudelfreunde Deutschland
e.V. (VDP), der im Jahre 1952 gegründet
wurde und somit auf eine über 50-jährige Erfahrung in Sachen Pudelzucht
zurückblicken kann.
Der Pudelverband mit